Archiv für November 2007

Internetmobbing rechtens?

Über spickmich ist an dieser Stelle schon geschrieben worden, in unzähligen Lehrerblogs wurde seitenlang debattiert. Der BR hat heute ein kurzes Special gebracht (Nebenbei bemerkt mit Jochen Lüders) . Aufhänger war das Gerichtsurteil, in dem eine Lehrerin mit ihrer Klage (Verletzung der Persönlichkeitsrechte) unterlegen war. Das Urteil - wenn es von den Schülern so verfolgt wurde - dürfte bei vielen so ankommen: Weiterlästern erlaubt. Der große spick-Hype ist aber wohl schon vorbei. Denn auch viele Schüler bezweifeln den Sinn des Portals, wo bereits wenige Stimmen ausreichen Lehrer an den Pranger zu stellen oder andere sich den Spaß machen, einen überforderten Lehrer überdurchschnittlich zu bewerten.

Ich werde weiterhin brav meine Fragebögen austeilen (via dem alt bewährten qis.at) oder als Online-Fragebogen (auch anonym) an die Schüler weiterleiten, um eine Rückmeldung über meinen Unterricht zu erhalten. Spickmich interessiert mich nicht (Ich gebs aber zu: Reingeschaut hab ich) und hilft mir nicht wirklich weiter ein guter Lehrer zu werden. Es würde mich lediglich interessieren, wer eigentlich hinter diesem Portal konkret steckt.
Und ich hoffe, es durch diesen Blogeintrag nicht bekannter zu machen, sondern einen Beitrag zur Nicht-Nutzung dieser Pseudo-Evaluation zu leisten. Stattdessen Mehr-Aufrichtigkeit.de: Mit den meisten Lehrern kann man sehr gut auch über kritische Punkte sprechen - und mich freut es, wenn Schüler mit mir über meinen Unterricht reden und konstruktive Vorschläge bringen.

Lerntipps

Damit Lernen gelingt, braucht es einer Menge Stützfaktoren. Aber nur die Selbstdisziplin zu predigen hilft auch nicht weiter - zu den vielen Lerntipps, Checklisten und Trainings nun noch eine weitere Reihe aus Österreich. Gut gemacht und schön strukturiert. Empfehlenswert!

Über die Bedeutung von Präventionsnetzwerken (hier: Verkehrserziehung)

Spiegel.de meldet keinen Abschlussscherz, sondern die real existierende Verkehrserziehung: Um die Schüler zu motivieren, hat ein Polizist im Rahmen des Verkehrserziehungsunterrichts der Lehrerin Handschellen angelegt - nur hatte er den Schlüssel dazu vergessen. Ein hinzugezogener Beamter befreite die Lehrerin.

Die Erprobung solcher pädagogischer Szenarien mit einer Polizei zum Anfassen könnte ein noch nicht gedachter Weg sein Kinder zu begeistern. Toll, wie hier Hand angelegt wird - ich meine, es hätte für die Lehrerin weitaus schlimmer kommen können…Also eine derart intensive Kooperation fesselt auch mich - nie gedachte Netzwerke des Lebensraums Schule mit der Exekutive im Staat werden wahr! Hand in Hand, wie ich Rudolf Köster (Arnsberg) in einem Referat zur schulischen Verkehrserziehung zitieren möchte:

“Wir sollten dabei vor allem eins nicht aus den Augen verlieren: Es sind nicht die Programme, die die Verkehrserziehung in die Schulen tragen - es sind die Lehrerinnen und Lehrer. Daher gehen meine ersten Überlegungen dazu, wie man auf der Basis des gültigen Verkehrserziehungserlasses die Verkehrserziehung in den Schulen intensivieren könnte, vor allem in diese Richtung: Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden,

  • in denen Lehrkräfte in vielfältigem Erfahrungsaustausch voneinander lernen und miteinander kooperieren können,
  • in denen sie besser angeregt und befähigt werden können, verkehrserzieherisch bedeutsame Inhalte über entsprechend akzentuierte fachliche Themen zu entfalten,
  • in denen sie in die Lage versetzt werden, leichter außerschulische Partner für die Verkehrserziehung zu gewinnen und sie in ihre Arbeit einzubinden.”

Ich gebe es zu, ich habe die Bedeutung der Verkehrserziehung bislang unterschätzt. Ich werde in mich gehen um in Zukunft “ein gemeinsames Aktivwerden und eine übergreifende Zusammenarbeit aller am Erziehungsprozess Beteiligten mit der Polizei” (Zitat aus einer Handreichung des Bayer. Kultusministeriums) zu durchdenken. Werde alle Erlasse lesen. Neue einreichen. Projektpläne entwickeln und eine Fortbildung besuchen. Dann bin ich gerüstet und stelle mich der Herausforderung. Wenn es niemand interessiert, lass ich mich fesseln, abführen, im Streifenwagen nach Stadelheim verfrachten und führe den Blog von dort weiter. Falls ich in den gemäßigten Vollzug überhaupt komme. Ansonsten die Höchststrafe: 3x täglich der 7.Sinn

Die Bewegung der Woche

… gibt es auf der österreichischen Seite “Bewegung und Schule”. Gute Tipps auch im Fachunterricht eine kurze Bewegungspause zu machen  - mache ich immer gern in den 5er und 6er, wenn ich merke, dass nix mehr geht.

Pädagogischer Tag

Alle Jahre wieder halten wir an der Schule einen sogenannten Pädagogischen Tag ab. Entstanden ist er vor 10 Jahren auf Beschluss des Landtages, das KM empfiehlt Maßnahmen zur schulinternen Qualitätsentwicklung zu gestalten. Der Tag  muss an einem unterrichtsfreien Tag sein - da bietet sich der in Bayern schulfreie Buß- und Bettag natürlich an.

Die Diskussion über Schulentwicklung ist nach wie vor ein sinnvolles Thema - ein Konsens, was gute Schule ist, dürfte wohl in wenigen Schulen herrschen und ist auch politisch nicht zu verordnen. Die Einbeziehung externer Experten ist in jedem Fall zu begrüßen. Soweit das Papier und die Idee.

In der Praxis sieht es so aus, dass nicht ungeteilte Begeisterung über den Pädagogischen Tag herrscht. Vor einigen Jahren habe ich eine Steuergruppe geleitet und den Tag moderiert - und wurde dabei genauso angeschossen wie die externen Referenten. Den Tag in der Schule ist für mich kein problematischer Punkt, aber Sinn und Mehrwert einer solchen Veranstaltung ist mir in diesen 10 Jahren nicht ganz klar geworden. Es wurde entweder stundenlang im Plenum diskutiert, um 16:00 Uhr ging man dann wieder heim. Es wurden Experten für Unterrichtsentwicklung eingeladen, die pfundweise moderne Methoden ausbreiteten. Übungen zur Lehrergesundheit wurden auch gemacht - der Referent sucht heute noch seine Thymusdrüse.  Und was bleibt? Nur der fade Geschmack einer angeordneten pädagogischen Nachhilfestunde, mit der man bei den Lehrern kaum offene Türen einrennt. Und der mitleidige Blick von Kollegen der Nachbarschulen, die den Tag schon vor Jahren abgeschafft haben.

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