Archiv für Dezember 2007

Die Mitte fühlt sich leicht an

Schließen möchte ich den Blog für dieses Jahr mit einer  kleinen Geschichte vom nicht unumstrittenen Bert Hellinger:

„Jemand fragte einen alten Lehrer: ,Wie machst denn Du das, wenn Du andern hilfst? Oft kommen zu Dir Leute und fragen Dich um Rat in Dingen, von denen Du nur wenig weißt. Doch nachher geht es ihnen besser.’ Der Lehrer gab zur Antwort: ,Nicht am Wissen liegt es, wenn einer auf dem Wege stehenbleibt und nicht mehr weiter will. Denn er sucht Sicherheit, wo Mut verlangt wird, und Freiheit, wo das Richtige ihm keine Wahl mehr läßt. Und so dreht er sich im Kreis. Der Lehrer aber widersteht dem Vorwand und dem Schein. Er sucht die Mitte, und dort gesammelt wartet er - wie einer, der die Segel ausspannt vor dem Wind -, ob ihn vielleicht ein Wort erreicht, das wirkt. Wenn dann der andere zu ihm kommt, findet er ihn dort, wohin er selber muß, und die Antwort ist für beide. Beide sind Hörer.’ Und er fügt hinzu: ,Die Mitte fühlt sich leicht an.’”

Wie wir kommunizieren

Bei Unterrichtsvorbereitungen stieß ich auf diesen Stummfilm von Frau Schnutinger.

Das Ende von spickmich

ist für mich jetzt gekommen - ich habe das Portal im Mai zufällig entdeckt, unsere Schule war damals nicht bewertet. Mittlerweile hab ich viele Blogs, Zeitungsartikel und Arbeiten darüber gelesen und überlegt, wie ich das Thema in der Schule einmal ansprechen kann. Ich hab dann einfach letzte Woche die Problematik als Unterrichtsthema für die Erörterung gewählt: “Sollen Schüler ihre Lehrkräfte in Internetforen öffentlich bewerten?”. Die meisten Schüler kannten spickmich gar nicht - das war der komische Lerneffekt bei der Sache (nicht beabsichtigt, sorry). Wir haben brav die Erörterung ausgearbeitet, Podcasts gehört, diskutiert und eine Musterlösung erarbeitet. Am Schluss der Sequenz habe ich dann einfach die spickmich-Kriterien den Schülern gegeben und sie dürften mich - analog - bewerten. Bei der Auswertung war es so, dass die eine Klasse mich mit 2,7 bewertete, die andere mit 1,6 (55 ausgefüllte Bögen). Beim Durchlesen war es für mich wirklich nicht hilfreich, daraus ein persönliches Feedback zu ziehen: Der eine bewertete mich mit “beliebt” 1, der nächste Bogen war eine 6. Der eine Bogen durchweg nur 1-2, der andere durchweg 5-6. Sorry, daraus werde ich nur soweit schlau, als dass mich manche mögen, manche eben nicht. Manche den Unterricht sehr gut finden, für andere bin ich der Leibhaftige persönlich. Wäre ich ja nie draufgekommen.

Und echte Kriterien, wo ich meinen Unterricht verbessern kann, kann ich beim besten Willen nicht herauslesen. Da gibt es bessere Instrumente - der einfachste Weg ist der Versuch mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. Hellhörig wurden die Schüler aber bei meinem Hinweis, dass im Moment studiVZ die Daten weiterverkauft (Im Web 2.0-Zeitalter sind personalisierte User-Daten eine Goldgrube) - warum sollte das mit spickmich nicht auch passieren? Die smarten Betreiber haben sicher nicht nur den philanthropischen Ansatz im Auge, um Deutschlands Schullandschaft zu verändern. Sind es wirklich schon 400.000 Schüler, die dort registriert sind?

So, Erörterung abgeschlossen. Nächstes Thema, bitte.

Schule am Samstag

…haben wir immer dann, wenn Tag der offenen Tür ist - bei uns heißt das Weihnachtsaktionstag. Jede Klasse bereitet etwas vor, der Erlös kommt einem guten Zweck zu. Eine interessante “Charity-Datenbank” habe ich kürzlich im Web gefunden. Ich bin froh, dass in Zeiten allgemein gefühlter Arbeitsmehrbelastung unser Kollegium entschieden hat, den Tag weiter zu veranstalten. Denn ich freue mich bereits bei der Vorbereitung auf den Tag - mit den Schülern etwas zu basteln, zu kochen, zu töpfern ist eine Lernerfahrung für alle, die schon einander näherbringt. In diesem Jahr haben wir Kerzen von Hand gezogen. Fast 40 Schüler, Eltern und unsere Tutoren haben mitgeholfen (auch an einem Samstag). Der Aktionstag ist zwar hektisch, aber für alle Beteiligten eine nette Sache: Schüler werden zu Verkäufern und legen ungeahnte Energien frei einen schönen Betrag für die Spende zu erhalten und die gute Klassengemeinschaft zu pflegen. Am Tag der offenen Tür trifft man dann auch viele ehemalige Schüler auf einen “Ratsch”, mit vielen Eltern kommt man ins Gespräch. Und irgendwann fahr ich vielleicht mit dem Hilfskonvoi einmal mit - wir unterstützen mit dem Gewinn die Kinder rund um Tschernobyl.

Unterrichten in der Eisbox

Das ist keine neue Unterrichtsmethode, sondern die Auswirkungen des hohen Ölpreises: An unserer Schule wird die Heizung über Nacht abgesenkt, übers Wochenende erst recht. Es ist natürlich ökologisch begrüßenswert, wenn die klimaschädlichen Emissionen reduziert werden und auch die öffentlichen Gebäude hier ein Zeichen setzen. Allerdings ist es teilweise sehr kalt in der Früh im Schulgebäude (Angeblich wurden in einem Zimmer in einer Nachbarschule 14 Grad gemessen), Montagmorgen im Lehrerzimmer ist es wirklich nur mit einer Jacke auszuhalten. Waren die letzten Jahre die Räume oft maßlos überheizt und die Schüler an der Heizung wie in der Mikrowelle erhitzt, schlägt das Pendel jetzt ins Gegenteil um. Nun, früher mussten die Schüler ja auch ein Holzscheit zum Einheizen mitbringen - vielleicht kommt man wieder darauf: Ein Kännchen Öl für die Tanks im Schulkeller?

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