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Non-onliner Atlas

Der neue (N)onliner-Atlas (wieso heißt der so???) ist da, man kann ihn auch irgendwo downloaden. Fast alle Jugendlichen nutzen das Web, da wären wir ja nie drauf gekommen. Man weiß nur nicht für was, aber dafür macht man jetzt 1000 Tagungen, Konvergenz-Symposium und - natürlich - viele teure Studien, um die Medienpädagogen zu beschäftigen. Dazu mehr Erkenntnisse im nächsten Jahr.

Ein vager Tipp: Die Mädchen chatten, msn/icq´en, die Jungs ballern. Sie ist sehr einfach, die Web-Welt.

Ach, bei uns hat niemand angerufen wegen Breitband-Nutzung & Co: Hier am flachen Land ist bei kleinen Dörfern Breitband Fehlanzeige (DSL-Outback sozusagen), damit muss man als Lehrer, wenn man mit digit. Medien arbeiten will, immer Plan B haben, gute Nerven im IT-Raum (den man erst mal entern muss vom Systembetreuer) oder auf den Einsatz verzichten. Das war mein Beitrag zur Topographie des digitalen Grabens in Nordbayern. Non-online eben.

Servicewüste Schule

Eltern suchen sich ihre Schule ja nach sauber fundierten Gesichtspunkten und Checklisten a la Focus und Bertelsmann aus. Super kritisch, top informiert. Bei der Fehleranalyse, wenn es dan noch nicht so rund läuft, ist auch klar, wer die Schuld hat…die Klasse, die Schule, das System, die Konstellation der Planeten, überhaupt die Lehrer, die nicht gern in die Klasse gehen. Auf zur nächsten Schule…als Beratungslehrer dort immer schön kundenorientiert bleiben! Und am Ende des Schuljahres soll man sich dann Zeit nehmen für ausführlich Gespräche, Schulführungen vielleicht, Termine bestimmen natürlich immer die gestressten Eltern.

So ein Glück, denn ich sitz ja rum und langweil mich zu Tode. Eine Stunde Anrechnung als Beratungslehrer bedeutet also 38 Stunden im Jahr. Mehr gibts nicht, sagt mein Konrektor. Steht so in…keine Ahnung wo. Vor ein paar Jahren habe ich eine Leistungszulage in Höhe von knapp 200 Euro (vor Steuern) abgelehnt - ich habe die Überstunden zusammengerechnet und kam auf ca. 30 Cent/Stunde. Nein Danke, auf solche “Zeichen” kann ich verzichten.  Mehr als arbeiten geht nicht, und da muss man sich eben auch als Eltern mal nen halben Tag frei nehmen. Beim Arzt komme ich ja auch nicht mit meinen Terminwünschen an. Mein Kundenservice: Professionalisierung durch Weiterbildung auf eigene Kosten. In den Ferien, eh klar. E-Mail-Kontakt mit eigener Domain (Ich beantworte sie auch), Anrufe selbstverständlich daheim nachmittags und abends.  Auch mal am Wochenende, wenn der Leidensdruck groß ist. “Danke” bekommt man in wenigen Fällen zu hören, gehört zum kostenlosen Service. Hab gar nicht gewusst, dass man mit dem Beratungslehrer auch Notdienst übernimmt. Hätte mir das mal einer beim Studium gesagt…

Die Repetenten

Neulich auf der Party…ehemalige Schulkameraden (Alles Nicht-Lehrer!) getroffen und Gesprächsthema Nummer 1 war bald gefunden: Die alten Geschichten. Und diese Lehrer. Unbarmherzig waren die Urteile der Mitschüler noch nach 20 Jahren. Und mir wurde schon mulmig bei dem Gedanken, dass ja meine Schüler heute…

Man wiederholt bei solchen Gesprächen ständig seine Schulzeit, man redet wie wenn man noch Rechte geltend machen wollte. Und jetzt fiel mir im Regal auch noch ein Buch in die Hände, das da schon 15 Jahre steht: Warum Lehrer Lehrer wurden. Es kommt dick, denn das hätte noch gefehlt, die Atmosphäre anzuheizen: Psychoanalyse pur. Lehrer, so die Autorin Zwettler-Otte, werden Lehrer durch unbewusste Beweggründe (unerfüllte Kindheitswünsche). Durch die Ausübung der Tätigkeit will er dieses Bedürfnis quasi von der anderen Seite her ausleben, Aufmerksamkeit fordern, Macht ausüben, Zwang sich Geltung zu erobern. Die Schule als Zufluchtsort für frühere Mängel. Es folgt die Einteilung Lehrertypen (Altruisten, Überfürsorglichen, die großen Pädagogen, zornige Halbtagsbeschäftigte, die Weltreisenden usw…) und - es naht die Rettung: wie man das frühe Trauma überwinden kann (Hätten wir dann auf den Partys nichts mehr zu lästern?).

In einem Fall hat die Autorin sicher recht: Künstler müssen ihr Publikum erobern, Lehrer bekommen es vom Staat zugewiesen. Und an dem Punkt geht der Kreislauf ja schon wieder von vorne los.

Freud: “Ich weiß nicht, was uns stärker in Anspruch nahm: Die Beschäftigung mit den Wissenschaften oder die mit den Persönlichkeiten der Lehrer. Im Grunde liebten wir sie sehr, wenn sie uns irgendeine Begründung dazu gaben; ich weiß nicht, ob alle unsere Lehrer dies bemerkt haben”

 

 

Reli-Halbfinale

In Bayern gehen wir schulmäßig noch nicht in die Endrunde, aber anlässlich des Halbfinales heute hat sich eine nette Religionsstunde ergeben:  Bei der 7ern muss jeder Schüler/jede Schülerin eine komplette Stunde halten mit Einstieg, Tafelbild, Gruppenarbeit und so weiter….Heute war eine türkische Schülerin dran, die ihre Religion - den Islam - vorgestellt hat. Tolle Stunde, tolle Gelegenheit über Kulturen zu sprechen und über Fußball :-)

Ein schönes Schlussbild der Stunde, spontan mit der Handykamera: Ein Schüler brachte sogar eine türkische Flagge mit. Es hat allen Spaß gemacht, und so fair sollte es auch im Spiel heute zugehen.

(Die Schüler waren mit der Veröffentlichung einverstanden, vielleicht kommentiert ja einer…)

 

 

Große Elterndatenbank geplant

Erfolgreich gestartet ist die Focus-Schul-Datenbank, wo “eine dringend notwendige Transparenz geschaffen wird. Eltern haben ein Recht auf Informationen über Qualität und Profil einer Schule. Bislang erfahren Eltern in den meisten Bundesländern wenig oder gar nichts darüber, wie oft der Unterricht ausfällt, wie viele Schüler eine Klasse wiederholen oder wie gut die Ausstattung ist. Eltern mussten sich auf Gerüchte über den Ruf einer Schule verlassen. Viele Kultusministerien hüten ihre Schuldaten wie Geheimakten, Lehrkräften ist es allein aus Zeitmangel kaum möglich, alle Fragen der Eltern nach Ausstattung, Schulklima, Lernmethoden, Betreuung und Engagement umfassend zu beantworten.” (Focus-Redaktion)

Ich rege folgende weitere Datenbanken an:

Lehrer benoten die Eltern: Wie sehr sorgen sie sich? Wie groß ist das Kinderzimmer? Welche Spiele spielt es? Sind Webfilter am Kinder-Laptop installiert?

Lehrer benoten Putzkolonnen der Schule: Wie sauber arbeiten sie wirklich? Welche Reinigungsmittel werden verwendet? Machen Sie mit uns den Hygienecheck!

Hausmeister benoten Lehrer: Kann er selber den OHP reparieren? Wer parkt am miesesten ein im engen Lehrerparkplatz? Die schlechtesten Nichtzahler beim Hausmeisterstand - hier sind die Top10 Südbayerns!

Alle benoten alle:  Lehrer benoten Focus, Focus benotet im Gegenzug Schulleiter, die wiederum die Lehrer und damit den Focus als auch die SZ-Mediathek und überhaupt die gesamten Abt.XYZ im Kultusministerium von Bremen benotet den Rest der Republik mit der Durchschnittsnote 2,9!

Als Obervorsitzender der Benotungsrepublik bin ich der Meinung, dass dies “zu mehr Transparenz und Kooperation zwischen allen führen wird. Man muss sich nicht mehr auf Gerüchte verlassen, sondern hat es schwarz auf weiß. So entstehen umfassende Portraits, wir erhalten umfassende Antworten auf Fragen,…” die wir nie zu stellen wagten!

Dieser Artikel kann allerdings nicht bewertet werden! Sorry :-)

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