Über die Bedeutung von Präventionsnetzwerken (hier: Verkehrserziehung)

Spiegel.de meldet keinen Abschlussscherz, sondern die real existierende Verkehrserziehung: Um die Schüler zu motivieren, hat ein Polizist im Rahmen des Verkehrserziehungsunterrichts der Lehrerin Handschellen angelegt – nur hatte er den Schlüssel dazu vergessen. Ein hinzugezogener Beamter befreite die Lehrerin.

Die Erprobung solcher pädagogischer Szenarien mit einer Polizei zum Anfassen könnte ein noch nicht gedachter Weg sein Kinder zu begeistern. Toll, wie hier Hand angelegt wird – ich meine, es hätte für die Lehrerin weitaus schlimmer kommen können…Also eine derart intensive Kooperation fesselt auch mich – nie gedachte Netzwerke des Lebensraums Schule mit der Exekutive im Staat werden wahr! Hand in Hand, wie ich Rudolf Köster (Arnsberg) in einem Referat zur schulischen Verkehrserziehung zitieren möchte:

„Wir sollten dabei vor allem eins nicht aus den Augen verlieren: Es sind nicht die Programme, die die Verkehrserziehung in die Schulen tragen – es sind die Lehrerinnen und Lehrer. Daher gehen meine ersten Überlegungen dazu, wie man auf der Basis des gültigen Verkehrserziehungserlasses die Verkehrserziehung in den Schulen intensivieren könnte, vor allem in diese Richtung: Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden,

  • in denen Lehrkräfte in vielfältigem Erfahrungsaustausch voneinander lernen und miteinander kooperieren können,
  • in denen sie besser angeregt und befähigt werden können, verkehrserzieherisch bedeutsame Inhalte über entsprechend akzentuierte fachliche Themen zu entfalten,
  • in denen sie in die Lage versetzt werden, leichter außerschulische Partner für die Verkehrserziehung zu gewinnen und sie in ihre Arbeit einzubinden.“

Ich gebe es zu, ich habe die Bedeutung der Verkehrserziehung bislang unterschätzt. Ich werde in mich gehen um in Zukunft „ein gemeinsames Aktivwerden und eine übergreifende Zusammenarbeit aller am Erziehungsprozess Beteiligten mit der Polizei“ (Zitat aus einer Handreichung des Bayer. Kultusministeriums) zu durchdenken. Werde alle Erlasse lesen. Neue einreichen. Projektpläne entwickeln und eine Fortbildung besuchen. Dann bin ich gerüstet und stelle mich der Herausforderung. Wenn es niemand interessiert, lass ich mich fesseln, abführen, im Streifenwagen nach Stadelheim verfrachten und führe den Blog von dort weiter. Falls ich in den gemäßigten Vollzug überhaupt komme. Ansonsten die Höchststrafe: 3x täglich der 7.Sinn

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2 Responses to “Über die Bedeutung von Präventionsnetzwerken (hier: Verkehrserziehung)”


  1. 1 laempel Dienstag,4 Dezember, 2007 um 20:49

    Dabei bietet doch gerade die Verkehrserziehung Möglichkeiten des fächerübergreifenden Arbeitens, und es ist ein Unterricht, in dem man wirklich etwas für die Kinder tun kann, wenn man sich nicht nur auf die Verkehrsregeln beschränkt, sondern auf das Verhalten im Straßenverkehr, an der Bushaltestelle, im Bus abhebt. Umweltbewusstes Verhalten gleich mit inbegriffen. Schade, dass dies immer nur lächerlich gemacht und abgeblockt wird.

  2. 2 markusmaerkl Dienstag,4 Dezember, 2007 um 22:31

    Von Carl Orff stammt ein schöner Satz: Wir sollten weniger pädagogisieren, sondern mit den Kindern einfach was tun. Und wo mit den Kindern mit Freude gearbeitet wird, begeistert es mich und ich habe Respekt vor den Kollegen. Verkehrserziehung ist ein wichtiger Bereich, in SekI tritt er etwas zurück – auch wenn die Chancen hier oft sehr groß wären (Bremswegberechnung am Schulhof mit Videokamera und entsprechender software etc…) – in der Grundschule ist das mit Sicherheit überlebenswichtig. Ironisch darstellen wollte ich nur die doch komische Meldung sowie die „Pädagogisierung“ dieses Unterrichts. Übrigens – habe schon viele gute Erfahrung mit der Polizei gemacht (Drogenprojekte, Präventionsprojekte zum Thema Diebstahl und Gewalt). In dem Zusammenhang fällt mir doch noch Verkehrserziehung ein: Einen nach seinem Unfall querschnittsgelähmten jungen Kerl (hier aber: Täter) habe ich mehrmals im Unterricht eingeladen und über seinen Unfall mit den Schülern gesprochen – das ging allen unter die Haut und es sind Freundschaften entstanden.


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