Beleidigungen im SchülerVZ

Schüler vz vs Schüler: Vor kurzem waren Eltern beim Schulleiter und mir, die Ausdrucke („Beweisstücke“) mitgebracht haben, wie sehr Ihr Kind im SchülerVZ von Klassenkameraden verbal angegriffen wird. Natürlich ist das Ausdruck von Prozessen, die auch am Vormittag passieren und die auch besprochen werden mit den Betroffenen. Aber ich habe mich geweigert, die Aktionen im SchülerVZ als Grundlage für eine Schulstrafe o.ä. zu nehmen. Also, ich meine das ist Privatsache der Schüler, das müssen die auch privat regeln. Selber reinschauen tu ich in solche Foren eh nicht – auch aus Angst Dinge über mich zu lesen, die mich verletzen würden.

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16 Responses to “Beleidigungen im SchülerVZ”


  1. 1 Herr Rau Montag,14 April, 2008 um 10:32

    Ich habe auch schon solche Beleidigungen gelesen, bin aber noch nie von Eltern darauf hingewiesen worden. Zettelchen im Unterricht werden ab einem bestimmten Grad durch Schulstrafen geahndet – es gab schon ziemlich derbe Beschimpfungen, gerade in der Unterstufe.

    Privatsache sind Online-Beleidigungen es auf jeden Fall auch, und ich hoffe, dass sich die Eltern in Verbindung setzen. Soll die Schule eingreifen? Wenn es um einen Lehrer ginge, dann wohl ja, und bei Schülern?

    Irgendwie denke ich, dass schon. Aber wir dürfen uns nicht überall einmischen, das ist auch richtig. Ich hoffe vage auf Kommentare, die mir beim Überlegen helfen. 🙂

  2. 2 markusmaerkl Montag,14 April, 2008 um 14:18

    Ja, so geht es mir auch – hoffe auf eine Lösung in einer Diskussion.

    Zettel im Unterricht sind irgendwie klar, es ist ja auch eine Sötrung und eine Beleidigung im direkten schulischen Setting. Da reagiere ich auch als Lehrer – von der Zusatzaufgabe (für diese Nebenbeschäftigung), Ausgleich/Entschuldigung bis eben Verweis, wenn es öfter stattfindet.

    Nur Web-Ratschecken sind nicht Unterricht. Wenn irgendwo am Wochenende ein Schüler bei einer Party blöd angemacht wird, ist es mir ja auch Wurscht – und ihm vermutlich auch. Das Problem ist eben, dass es im Web völlig offen und von allen immer einzusehen ist. Ich denke aber, wenn zur Treibjagd gegen einen Schüler geblasen wird, würde ich schon reagieren. Meist zeigen sich darin ja Konflikte, die in der Schule stattfinden und virtuell weiter geführt werden.

    Grundsätzlich riecht das eher nach Medienpädagogik – aber die ist wohl im Zuge der Reformierung der Lehrpläne auch verschlankt worden…

  3. 3 Herr Hock Montag,14 April, 2008 um 15:11

    Ich denke man kann sowas durchaus als Grundlage, bzw. als Hinweis auf die Ausprägung/Stärke der Beleidigungen nehmen. Evtl. lassen sich so auch Gruppenstrukturen genauer erkennen, die ja auch im Unterricht vorherrschen (können).
    Außerdem ist das SchülerVZ ja doch schon recht nah am Schulalltag, da ja Schüler die Zielgruppe sind, eine Party o.ä. hat da in meinem Augen eine andere Qualität.

  4. 4 Markus Montag,14 April, 2008 um 17:31

    Wir hatten vor einiger Zeit mal einen Fall, dass eine Schülerin einem Schüler einen … Strip via Webcam geschickt hat. Der Schüler hat diesen Film gespeichert und an alle Handys seiner Freunde weitergegeben.
    Irgendwann sprach sich das auch in der Schule rum

    Und auf Drängen der Klassenlehrerin gab es dann für den Schüler eine Klassenkonferenz.

    Ich habe damals schon die Meinung vertreten (und vertrete sie auch jetzt), dass es im Endeffekt Privatsache ist. Oder besser: es ist Erziehungssache, also Sache der Eltern. Nicht der Schule.

    Also sollte man zwar als Lehrer die Eltern informieren. Und man kann, wenn man will, auch Tipps zur Verfolgung der Beleidigungen … im Internet geben.
    Aber die Schule muss sich nicht um die Bestrafung der Übeltäter kümmern. Auf der anderen Seite sollte sie sich drum kümmern, wenn der Schüler im Info-Raum erwischt wird, wie er die Beleidigungen ins Netz stellt.

    Also: im Prinzip Elternsache. Keine Schulangelegenheit.

    Markus

    P.S.: Die Klassnkonferenz wurde wegen „Störung des Schulfriedens“ einberufen.

  5. 5 Christian Montag,14 April, 2008 um 21:05

    „Grundsätzlich riecht das eher nach Medienpädagogik“

    Paragraph 2 des Niedersächsischen Schulgesetzes (Bildungsauftrag der Schule) sagt dazu:

    „(1) Die Schule soll im Anschluss an die vorschulische Erziehung die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler auf der Grundlage des Christentums, des europäischen Humanismus und der Ideen der liberalen, demokratischen und sozialen Freiheitsbewegungen weiterentwickeln. Erziehung und Unterricht müssen dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und der Niedersächsischen Verfassung entsprechen; die Schule hat die Wertvorstellungen zu vermitteln, die diesen Verfassungen zugrunde liegen.
    Die Schülerinnen und Schüler sollen fähig werden,

    * die Grundrechte für sich und jeden anderen wirksam werden zu lassen, die sich daraus ergebende staatsbürgerliche Verantwortung zu verstehen und zur demokratischen Gestaltung der Gesellschaft beizutragen,
    * nach ethischen Grundsätzen zu handeln sowie religiöse und kulturelle Werte zu erkennen und zu achten,
    * ihre Beziehungen zu anderen Menschen nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit, der Solidarität und der Toleranz sowie der Gleichberechtigung der Geschlechter zu gestalten,
    […]
    * Konflikte vernunftgemäß zu lösen, aber auch Konflikte zu ertragen,
    […]
    * sich im Berufsleben zu behaupten und das soziale Leben verantwortlich mitzugestalten.“

    Das alles soll in JEDEM Unterricht gefördert werden, nicht nur in z.B. Medienpädagogik. So habe ich es jedenfalls gelernt. Wer also seinen Fachunterricht für eine Zeit aussetzt und solche Themen bespricht handelt vielleicht gegen aktuellen Lehrplandruck aber ausdrücklich nach Gesetz. Will damit sagen, dass es vielleicht Sinn machen würde, die Sache mit der ganzen Klasse zu besprechen, ohne auf die Einzelpersonen (Täter / Opfer) konkret einzugehen. Anonym sozusagen, mit fiktivem Täter und fiktivem Opfer, ohne Bestrafung einzelner. Das Thema im Unterricht aufzugreifen sollte dann signaliseren, dass so etwas nicht in Ordnung ist. Bzw. man kann mit den SuS ermitteln, wo Grenzen liegen, wann es an die Persönlichkeit geht.

  6. 6 Fontanefan Montag,14 April, 2008 um 21:53

    Sicher ist es nicht sinnvoll, als Schule hier strafend einzugreifen; denn es passiert ja sonst auch vieles, um das sich die Schule nicht kümmert, weil sie nichts darüber weiß.
    Aber das bedeutet moch lange nicht, dass es die Schule ignorieren darf. Wenn etwa die Eltern ihr Kind seelisch misshandeln, hat die Schule selbstverständlich kein Strafrecht, aber doch eine Fürsorgepflicht. Man darf nicht wegsehen.
    Ich würde zumindest versuchen festzustellen, ob der Angegriffene eine Mediation (http://wiki.zum.de/Streitschlichtung) wünscht. Denn die Schule darf nicht dulden, dass solche Vorgänge als „Privatsache“ – im Sinne von „da hat uns niemand reizureden“ – aufgefasst werden.
    Die beschriebenen Vorgänge nähern sich übrigens zum Teil so sehr der Straftat, dass zu prüfen wäre, ob man nicht sogar rechtlich verpflichtet sein könnte, sie anzuzeigen.

  7. 7 Christian Dienstag,15 April, 2008 um 7:45

    „Die beschriebenen Vorgänge nähern sich übrigens zum Teil so sehr der Straftat, dass zu prüfen wäre, ob man nicht sogar rechtlich verpflichtet sein könnte, sie anzuzeigen.“

    Ja? Woran kann man das denn erkennen? Wenn eine ‚verbale Beleidigung‘ schon eine Straftat ist, dann würde ich ja nur noch Schüler anzeigen.

  8. 8 Herr Rau Dienstag,15 April, 2008 um 10:28

    Ich kenne mich juristisch nicht gut aus, aber darf nicht bei den meisten einfachen Straftaten nur der Geschädigte anzeigen? Bei schweren Straftaten tritt dazu die Staatsanwaltschaft als Kläger auf. Insofern muss die Schule gar nichts anzeigen.
    Verbale Beleidigungen sind prinzipiell eine Straftat – wegen kleineren Ausrutschern im Schulalltag wird es aber wohl kaum zu einer Anklage kommen (und andere sind hoffentlich nicht die Regel).

  9. 9 Christian Dienstag,15 April, 2008 um 10:57

    In Niedersachsen gibt es dazu einen Erlass, der sagt:

    „Die Schulleitung hat unverzüglich die Polizei zu informieren, sobald sie Kenntnis davon erhält, dass eine der folgenden oder vergleichbare Straftaten an ihrer Schule oder im unmittelbaren Zusammenhang mit der Schule gegen oder durch ihre Schülerinnen und Schüler begangen worden ist oder eine solche Straftat bevorsteht:

    Straftaten gegen das Leben, Sexualdelikte wie z.B. Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch, Raubdelikte wie das sog. „Abziehen“ von Sachen, gefährliche Körperverletzungen (wie z.B. mit Waffen, gefährlichen Werkzeugen oder gemeinschaftlich begangene), oder andere erhebliche Körperverletzungen, andere Gewaltdelikte, insbesondere solche, die gemeinschaftlich oder wiederholt begangen werden, wie auch besonders schwere Fälle von Bedrohung, Beleidigung (z.B. Sexualbeleidigung), Sachbeschädigung (z.B. Graffiti) oder Nötigung; weiterhin politisch motivierte Straftaten, Verstöße gegen das Waffengesetz, Einbruchsdiebstähle, aber auch einfache Diebstähle, wenn sie wiederholt vorkommen, gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr (z.B. Steinwürfe) und der Besitz, der Handel oder die sonstige Weitergabe von Betäubungsmitteln. […] Weniger schwerwiegendem Fehlverhalten und Regelverstößen begegnet die Schule mit angemessenen pädagogischen Maßnahmen und Erziehungsmitteln. Die Reaktion sollte zeitnah erfolgen, nicht überzogen sein, aber doch Grenzen aufzeigen.“ (Zusammenarbeit zwischen Schule, Polizei und Staatsanwaltschaft)

    Man sieht hier deutlich:
    Auch Straftaten außerhalb der Schule sind zu verfolgen / melden, etc.: „…durch ihre Schülerinnen und Schüler begangen worden ist …“
    Eine Ahndung einer Beleidigung hängt von ihrer Schwere ab:“… besonders schwere Fälle von Bedrohung, Beleidigung (z.B. Sexualbeleidigung)…“
    Prinzipiell ist aber zu reagieren: „Weniger schwerwiegendem Fehlverhalten und Regelverstößen begegnet die Schule mit angemessenen pädagogischen Maßnahmen und Erziehungsmitteln. Die Reaktion sollte zeitnah erfolgen, nicht überzogen sein, aber doch Grenzen aufzeigen.“

  10. 10 markusmaerkl Dienstag,15 April, 2008 um 11:33

    Wenn ich mir die Kommentare so durch den Kopf gehen lasse, denke ich grundsätzlich, dass es in diesem Fall richtig war, keine Schulstrafe zu verhängen. Ich habe mit allen beteiligten Schülern ein Konfliktgespräch vor zwei Wochen gemacht mit klaren Vereinbarungen, heute gab es ein Nachtreffen und für alle ist die Situation ok.

    Wenn es Fälle sind wie von Christian oben beschrieben, habe ich schon anders reagiert – über das Jugendamt, auch mal über die Polizei. Offizialdelikte müssen nicht angezeigt werden von einer Person, da ermittelt dann die Polizei.
    Eine nachdenkliche Frage bleibt für mich – die Verordnung in Niedersachsen ist sehr klar und ich finde sie auch sinnvoll im Rahmen der genannten Delikte. Aber: Wird denn die Verordnung wirklich umgesetzt? Oder zieht man dann doch lieber zurück aus Angst vor negativer Presse, Elternbeschwerden u.a.?

  11. 11 markusmaerkl Dienstag,15 April, 2008 um 11:34

    Ach eine Korrektur noch: Es war nicht SchülerVZ, sondern SchülerCC 🙂

  12. 12 Christian Mittwoch,16 April, 2008 um 15:15

    „Aber: Wird denn die Verordnung wirklich umgesetzt? Oder zieht man dann doch lieber zurück aus Angst vor negativer Presse, Elternbeschwerden u.a.?“

    Das Problem wird immer bleiben. Es gibt aber bei der Polizei Mitarbeiter, die nicht gleich mit der Minna an die Schule kommen, sondern in Zivil, etc. Das macht es dann der Schule auch leichter.

  13. 13 Maik Donnerstag,21 August, 2008 um 23:27

    Ich werde das Thema mal ein Bisschen auffrischen.
    Ich selber bin 13 Jahre alt und Schüler am Gymnasium Lübben und in der 8. Klasse.
    Ich bin selber im SchülerVZ/SchülerCC angemeldet und habe selbst auch mitbekommen, wie sich Schüler an verschiedenen Schulen gegenseitig angreifen.
    Ich finde, dass man privates strikt von schulischen Dingen trennen sollte.
    Die Schule kann sich ja nicht laufend in das Privatleben von einzelnen kümmern.
    Da ich selber Schüler bin, empfinde ich das ein wenig wie „zweite Elten“ , wenn sich die Schule überall im Privatleben einmischt.
    Also ich denke, die Schule sollte sich (hart ausgedrückt) da raushalten, aber bestmöglich NICHT ignorieren!
    Für mich ist damit abgeschlossen 🙂

  14. 14 Kevin Mittwoch,7 Januar, 2009 um 22:14

    Guten Abend, die Damen, die Herren,

    ich selber bin kein Schüler mehr, aber ich war mal einer. Ich war auf der Regionalen Schule Wörth, in der zu der Zeit katastrophale verhältnisse herrschten und ich bin nicht Glücklich über meine Schulzeit.

    In der Schule finden keine großartigen Straftaten oder Beleidigungen statt aus furcht vor der Strafe die sie dort erwartet. Harte fälle von Mobbing und Bedrohung finden hinter den Rücken der Lehrer statt. Und es ist fast mit Entsetzen anzusehen, es ist Enttäuschend das hier manche Lehrer Posten.. „das ist ihr Privatleben da Mischen wir uns nicht ein“ Ach nein? Was Passiert den nach der Schule? auf dem Heimweg, ganz Öffentlich vor aller Nasen im Schülervz und co?. Es heißt nicht umsonst „Nach der Schule gibts aufs Maul“ oder dergleichen.

    Aber Augen zumachen, und das sehen was während der Schulzeit passiert ist einacher oder wie soll man dieser Beiträge hier Interprätieren?. Ihr seid Lehrer, ihr seid Pädagogen, und wenn ich das richtig Verstanden habe damals, dann habt ihr auch bis zu einem Gewissen Grad an der Erziehung mitzuwirken. Den nichts denke ich Formt mehr als das Leben während der Schulzeit.

    Also meiner Meinung nach, und ich denke ich kann den Standpunkt sehr gut Vertreten. Habt ihr in solchen Fällen Einzugreifen, das gefälligst Anzuzeigen oder Schulisch Ahnden. Den solche Konfrontationen beginnen in der Schule, werden Privat weitergeführt und dann wieder nach der Schule enden. Meist mit Gewalt, und nicht wenig.

    Macht doch nicht mehr Leben Kaputt als sein muss, solche „Opfer“ leiden Seelisch sehr, das müsste auch für, oder gerade für Pädagogen zu sehen sein. Also nicht Augenzumachen nach dem Motto „Ich will doch nichts böses Lesen was mich verletzen könnte..“ sondern ruhig mal hinsetzen und Gezielt suchen und wenns nur ne Halbe Stunde in der Woche ist, ein Schülter im Monat er wegen solcher Taten von der Schule verwiesen wird oder Strafrechtlich verfolgt, ist besser als keiner. Und es hilft, hilft den Schülern, und die werden sich durch ihre Leistungen und ihrem Verhalten Ihnen Gegenüber auch damit Bedanken.

    Mit freundlichem Gruß,

    Kevin.

  15. 15 Paul Idel Donnerstag,4 Juni, 2009 um 18:46

    Als Schulstrafe sollte man sowas wirklich nicht handhaben, aber die Eltern könnten die Täter einfach anzeigen. Beleidigungen im Netz werden genauso behandelt wie im realen Leben.


  1. 1 Lehrerzimmer » Blog Archive » Was tun: Schler beleidigen Schler online Trackback zu Montag,14 April, 2008 um 10:25

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