Vermoodlet

Eine Überdosis Moodle habe ich in letzter Zeit mir selbst verabreicht: Seit knapp einem Jahr hat unsere Schule eine eigene Instanz und es ist nach wie vor Experimentierstatus. Genutzt habe ich Moodle in diesem Jahr vor allem als Projektmanagement-Plattform mit Schülern über einen Zeitraum von etwa 3 Monaten. Gerade arbeite ich auch die Lektüre in der 9. Klasse mit Moodle ab. Eine Einführung für Leher „Moodlen lernen“ habe ich gestrickt, dazu eine Art Spielwiese für das Ausprobieren aller möglichen eTivities. Mit wenig Erfolg.

Für die ALP Dillingen habe ich einen Kurs zum Thema MindMapping im DU erstellt und moderiert, das soll im kommenden Jahr auch ausgebaut werden mit neuen Themen für den Unterricht. Das – so hat sich gezeigt – ist auf jeden Fall eine spannnende und gewinnbringende Art der Online-Fortbildung.

Mit Hochdruck arbeite ich an einem Online-Seminar für das Fach Deutsch – da ich im kommenden Jahr als Seminarlehrer eingesetzt bin, halte ich es für sinnvoll Moodle in diesem Bereich zu nutzen. Dazu ein anderes Mal noch mehr…

Eine persönliche Auswertung für mich:

  1. Es muss sehr gut überlegt sein, wie Moodle sinnvoll eingesetzt werden kann um nicht zur bloßen Spielerei zu verkommen. Hausaufgaben-Hochladen um 17:30 Uhr ist für mich kein Szenario, für das man Moodle ernsthaft braucht. Da reicht auch der kommende Schultag mit Präsenzkontrolle und -besprechung.
  2. Spielregeln müssen klar sein, Moodle-Kurse sind keine Freiwilligenkiste für einige Streber und PC-Freaks in der Klasse. Termine sind verpflichtend, wer sie nicht einhält bekommt die „6“ oder eben eine andere Sanktion. Entschuldigungen müssen frühzeitig gesagt werden (Webausfälle u.a.)
  3. Tests über Moodle halte ich für eine sehr sinnvolle Sache und daran möchte ich im kommenden Jahr weiterbauen. Ob ich das so zählen lassen kann wie jeden anderen Leistungsnachweis, weiß ich nicht.
  4. Moodle, so heißt es, ist sehr einfach und intuitiv zu bedienen. Für Freaks ja, für den Durchschnittslehrer bedeutet es sehr große zeitliche Belastung und das Meistern von Herausforderungen – die sich nur rentieren, wenn ein content-sharing-Modell existiert. Soweit ich weiß kauft in England der Staat den Content ein und stellt ihn zur Verfügung.
  5. Weitere Ideen: Elternmoodle um Organisatorisches abzuwickeln und Kommunikation zu betreiben, Klassenleitermoodle für Klassleitergeschäfte, Vertretungsstunden-Kurse, die man einfach starten kann…

Moodle an sich ist zwar recht sperrig und nicht recht „mobil“ wie etwa Lams, dafür kann man sehr gut instruktionales Lernen mit klaren Strukturen und Zielen abbilden. Außerdem ist es kostenlos – allerdings fürchte ich: Für die Administration braucht es aber Profis und keinen Hobbyserver neben der Schul-Putzkammer. Das kostet zuviel Zeit und ein Kurs kann schnell eine beachtliche Speicher-Größe erreichen.

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10 Responses to “Vermoodlet”


  1. 1 Ralf Hilgenstock Donnerstag,17 Juli, 2008 um 21:14

    Hallo Markus,

    mit Moodle kann man also nun besonders gut instruktionales kernen abbilden. Holla! Was ist denn nun passiert? Und da dachte ich die ganze Zeit: mit Moodle kann man besonders gut konstruktivistisches lernen unterstützen.

    Nicht instruktionales lernen fängt in Kopf und Bauch an. Dann erst auf der Plattform. Dort kommt es dann meist völlig unspektakuär daher.

    Ich freue, in Dir einen Fan von LAMS zu finden. Ich halte das Konzept für spannend. Die visuelle Editierumgebung ist ein großer Wurf. Leider ist es in der Administration wesentlich anspruchsvoller als Moodle.

    Gruß aus Bonn

    Ralf Hilgenstock

  2. 2 markusmaerkl Freitag,18 Juli, 2008 um 6:10

    Hallo Ralf,
    ich dachte schon, dass das zu Reaktionen führt 🙂
    Ich habe es noch nicht geschafft, einen konstruktivistischen Lernbegriff (Also der Lernende steuert den Prozess (auch im Team) und erarbeitet seine Inhalte) richtig in Moodle abzubilden. Bislang waren es Einweg-Kommunikationen, auch die Foren. Schüler aus der Passivität zu holen ist in der SekI – vielleicht nur für mich (?) – gar nicht so einfach. Erst mit dem letzten Kurs – zur Lektüre der „Welle“ – findet sowas wie Interaktion – zaghaft – in den Foren statt. Ansonsten waren es Arbeitsaufträge, die abzuarbeiten waren, mit den üblichen Aktivitäten und Rückmeldung von mir oder aus Tests. Ich weiß nicht genau, ob das bei Erwachsenen anders ist, da fehlt mir die Erfahrung.
    Ansonsten ist es immer ne Sache mit solchen Begriffen wie Konstruktion/Instruktion/Lehr-Lernkultur…scheinen für mich manchmal Nebelkerzen zu sein um möglichst innovativ zu klingen. Und auch meist von Experten verwendet, die schon lange keine Schule mehr von innen gesehen haben bzw. sowas im Alltagsgeschäft an der Schule verwenden. Und nur dort hat ein System seine Berechtigung, nicht für ein Highlight im Jahr.
    Mit LAMS möchte ich im kommenden Schuljahr mal was ausprobieren – könnte mir gut vorstellen damit Grammatikübungen zu stricken…aber jetzt sind erstmal Ferien (bald)!

  3. 3 Max Woodtli Sonntag,20 Juli, 2008 um 21:39

    Leider ist es tatsächlich so, dass mit diesen Begriffen (Konstruktion/Lehr-Lernkultur usw.) oft „Nebelkerzen“ angezündet werden und es leider immer noch hauptsächlich darum geht, eine Belehrungskultur zu perfektionieren statt z.B. Sternstunden „expansiven Lernens“ (vgl. Holzkamp) bzw. eine neue Lernkultur zu versuchen und zu leben. Schade!

    Vielleicht dürfte man tatsächlich das „Alltagsgeschäft“ einer zukunftsorientierten Lern- und Kompetenzkultur nicht mehr bloss Lehrpersonen und PädagogInnen überlassen, um nicht ständig Systemerhaltung (sogar noch mit Unterstützung neuer Medien) zu betreiben.

    Max Woodtli, Schweiz

  4. 4 markusmaerkl Montag,21 Juli, 2008 um 6:18

    Diese Lernen ist das Ziel, das jeder Lehrer gerne erreichen möchte – niemand will gerne die autoritäre Wissensvermittlung zelebrieren. Wo solches selbstbestimmtes Lernen passiert, etwa im Privatbereich (nicht nur bei Jugendlichen :-)), werden die großen Lernfortschritte auch für die eigenen Persönlichkeit erreicht. Mir fehlt aber die Brücke zum Schulalltag – also zum Lehrplan und Notengebung…
    Zum zweiten Punkt: Diese Trennung „Die fleißigen geerdeten Praktiker“ und die „Abgehobenen lebensuntüchtige Akademiker“ ist natürlich nicht hilfreich. Da bräuchte es tatsächlich einen stetigen Dialog, der ja bspw. mit der Netzwerktagung von Gabi Reinmann im Januar schon einen interessanten Anfang nahm. Auch dein Vortrag, den ich auf der Moodle-Tagung in Duisburg hörte, arbeitet noch lebhaft in mir!

  5. 5 Max Woodtli Dienstag,22 Juli, 2008 um 13:37

    „Mir fehlt aber die Brücke zum Schulalltag – also zum Lehrplan und Notengebung…“

    Ich denke, dass dies der grosse Denkfehler ist. Es braucht keine „Brücken“ zu „Lehrplan“ und „Notengebung“, sonst verkommen genau diese Brücken zu Krücken 😉

    Man muss die Schule neu denken! Nicht dass es keine Strukturen braucht beim Lernen. Ich bin für Strukturen. Aber ob Noten und Lehrpläne heute noch die richtigen Instrumente sind, bezweifle ich sehr.

    Herzliche Grüsse aus Zug (im Moment jedoch in Island unterwegs…)
    Max

  6. 6 Herr Rau Mittwoch,23 Juli, 2008 um 6:01

    Schule ohne Noten: Würde ich gerne mal ausprobieren. Noch bestehen Eltern und Schüler mehr darauf als Lehrer. Schule ohne Lehrplan: Kann ich mir nicht gut vorstellen. Das hieße, dass jeder Schüler eine Mappe mit sich führt, was er schon alles gemacht hat (an sich gute Idee), damit bei Lehrer- oder Schulwechsel der neue Lehrer weiß, worauf er aufbauen kann. Schwierig.

    So oder so sind Noten und vor allem Lehrpläne die Werkzeuge, mit denen ich dienstlich zu arbeiten gezwungen bin. Ich sehe nicht, wie ich im aktuellen Schulsystem daran vorbeikomme. Schule neu denken: Gerne. Aber parallel dazu läuft nun mal der Alltag weiter.

  7. 7 rip Mittwoch,23 Juli, 2008 um 21:52

    Das Problem beim Arbeiten mit neuen Medien ist sehr schnell erklärt (meiner Meinung nach): Es hat zwar mit neuen Medien zu tun, ist aber immer noch *Arbeit* – und das schreckt ab, sobald die Schüler es herausgefunden haben. 😉
    Man betrachte nur einmal die Posting-Frequenz in meinem Deutsch-Grundkurs-Blog: Das ganze Schuljahr hindurch plätschert es so vor sich hin, kommt mehr oder weniger ganz zum Erliegen, und auf meine Ankündigung hin, dass die Teilnahme am Blog in die Unterrichtsmitarbeitsnote einfließt, kommt es zu einer förmlichen Explosion von Beiträgen (Januar bis Mai: 23 Beiträge, kaum Kommentare – Juni/Juli: 34 Beiträge und zahlreiche Kommentare). Diese „Notenkeule“ ist quasi auch ein Schutz für aktive Schülerinnen: Solange es wirklich völlig freiwillig ist, hemmen die natürliche Trägheit der Masse einerseits und das Streben nach Vermeidung des Strebervorwurfs andererseits ein tatkräftiges Mitwirken …
    Inwiefern nun Moodle tatsächlich mehr bringt und für mich als Lehrer auch praktischer ist als so ein Blog, darauf bin ich schon gespannt. Es gibt nun auch an unserer Schule einen „Moodle-Kontaktlehrer“, der uns im September ins „Bayern-Moodle“ einweisen will.

  8. 8 Max Woodtli Donnerstag,24 Juli, 2008 um 1:06

    Alles ist schwierig bevor es einfach wird 😉

    Dadurch, dass sich die Welt verändert, kommt auch (früher oder später) der Schulalltag nicht darum herum, sich ebenfalls zu verändern. Und auch Schulsysteme ändern sich natürlich solange nicht bis sie geändert werden.

    Aber es gibt heute bereits viele gute Beispiele, so genannte „Treibhäuser der Zukunft“ (vgl. Kahl), wo Schulen ohne Noten und ohne (voll gestopfte) Lehrpläne erfolgreich arbeiten.

  9. 9 markusmaerkl Donnerstag,24 Juli, 2008 um 8:13

    Von Begriffsdefinitionen sind wir jetzt erfreulicherweise in eine Diskussion gekommen, die mich schon lange beschäftigt. Peter beschreibt ja das Dilemma, auch Herr Rau hat interessante Aspekte eingebracht. Ehrlich gesagt hätte ich einfach Angst, auf Notengebung zu verzichten. Es ist ein notwendiges Beurteilungsinstrument, das Schüler einen Anschub geben kann und verantwortungsvoll angewandt auch Ressourcen frei setzen kann. Aber wenn ich Max richtig verstehe – passt die Notengebung nicht zu den Lernprozessen, die wir eigentlich initiieren wollen. Und da kann ich sehr gut mitgehen: Da sind wir schnell beim Portfolio. Ernsthaft erfasst doch das traditionelle Jahreszeugnisse diese Kompetenzen gar nicht. Und wenn ich sie reinschreibe, werde ich von Kollegen „bemitleidet“ bzw. die Zeilen sind zu knapp. Schüler sind da weitaus flexibler. Neuer Wein in alte Schläuche geht nicht, Moodle-Kurse als Motivationsbombe auch nicht; man landet immer wieder beim Thema der ersten Pädagogikvorlesung: Wie kann ich Lernen sinnvoll gestalten…

  10. 10 Herr Rau Donnerstag,24 Juli, 2008 um 18:17

    Auf Notengebung zu verzichten kann ich mir vorstellen. Seit diesem Jahr ist in Bayern am Gymnasium keine Mindestanzahl an Zwischendurchnoten (im Gegensatz zu angekündigten, größeren Leistungsnachweisen) mehr vorgeschrieben. Ich mache auch weniger Noten, und das geht ganz gut.
    Allerdings muss ich mich, solange ich in Bayern am Gymnasium Lehrer bin, an Noten und Lehrplan halten. Was mir hier und jetzt und in den nächsten Jahren in der Praxis helfen will, muss diese Belange mit einbeziehen. (Das geht mit Moodle aber auch.)

    Noten sind dann wichtig, dann aber auch: sehr wichtig, wenn es um Vorrücken/Nichtvorrücken und damit eventuell Schulartwechsel geht. Solange es ein dreigliedriges System gibt und die Möglichkeit des Sitzenbleibens, und das ist nun mal so, spielen Noten eine große Rolle, und vor allem deshalb müssen Noten so penibel akribisch kleinkrämerisch festgehalten werden. (Aussagekräftig werden sie dadurch nicht, aber gerichtsfest.) Gerne möchte ich, dass andere Systeme ausprobiert werden. An meiner Schule ist das aber nicht der Fall.

    Ich habe es zu oft nicht geschafft, dass Schüler in der Oberstufe selbstständig mit Büchern arbeiten und sich für ihr Lernen verantwortlich zu fühlen. (Bücher sind eine wichtige Grundlage in meinen Fächern, Deutsch und Englisch.) Das liegt zum Teil daran, dass die Schulbibliotheken in keinem guten Zustand sind.

    Werden die Schüler mit Moodle selbstständiger? Schauen wir mal. Ich hoffe und glaube, dass ja, aber ich hoffe und glaube das jedes Jahr ohnehin wieder aufs Neue.


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