Erfahrung garantiert noch keine Weisheit

…Letztere erreicht man durch kritisches Betrachten der Vergangenheit und durch Einstudieren der Zukunft.

Der Spruch (John Grinder) ist leichter zitiert als getan. Nach  12 Jahren im Schuldienst (incl. ein Jahr in der Wirtschaft) habe ich sicher Erfahrung, aber wenig Zeit für Reflektion und Selbststudium gefunden. Letztes Jahr hat sich die Chance auf eine Seminarlehrerstelle ergeben. Ich habe mich beworben und bin es auch geworden. Also: Seit Schulanfang habe ich eine Gruppe von Deutsch-Referendarinnen zu betreuen und begleite sie durch die kommenden beiden Jahre. Blokey schreibt ja in seinem Blog aus der Sicht des Referendars, ich schreibe hier ab und an auch mal aus der Sicht des Seminarlehrers.

Seit Mai läuft eigentlich die intensive Vorbereitung, das Sammeln und Systematisieren von Material. Ich hole das nach, was die letzten Jahre untergegangen ist: Reflektion, kritisches Durchdenken des Unterrichts, Variationen probieren. Alltag macht müde. Einige Tiefen, Rückschläge dieser Jahre zehren, natürlich gibt es auch die Erfolge. Und die sollte man sich gut notieren. Auch so ein Rezept, was ich den jungen Kollegen mitgab in der „Auftaktsitzung“.

Ich versuche umweltschonend zu arbeiten -also ein papierloses Seminar zu machen und hinterlege alle Materialien in einem Kurs in Moodle, das ich für die Schule administriere (Na gut, Energiekosten sind noch da…) Woche für Woche arbeiten wir uns durch die Themen, aus der Materialfülle werden sich die Kollegen wohl das raussuchen, was für sie persönlich wichtig ist. Das Wichtigste für den Verlauf des Seminars lade ich in einem Protokoll über die Fachsitzungen hoch.

Außerdem schalte ich  kleinere eTivities, die Sinn machen und die Arbeit systematisieren helfen. Diese Woche  zum Lehrplan: Jeder Refi analysiert den LP zweier Jahrgangsstufen und entwickelt zu allen Ebenen 10-15 Testfragen (Extraaufgabe: Bildungsstandards Deutsch). Ich stricke aus den angesammelten Fragen dann einen Moodle-Test, der – natürlich ohne Bewertung  – durchlaufen werden soll. Ich trage natürlich aus was bei.

Kommende Woche halten die Refis eine erste Deutschstunde – und bereiten diese über das Forum in Moodle  gemeinsam vor. Ich finde es sinnvoll, hier einen „community“-Ansatz zu fahren und erstmal im Team über diese eine Stunde zu reflektieren. Auch ich kann mithelfen, da ich den Rest der Woche im Schullandheim bin und die Kollegen nicht mehr „live“ sehe. Mal sehen, was diese Erfahrung bringt…

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3 Responses to “Erfahrung garantiert noch keine Weisheit”


  1. 1 Hokey Mittwoch,24 September, 2008 um 15:43

    Oh Mann! Jetzt bin ich aber sehr gespannt, was Du die nächste Zeit hier schreiben wirst! Das Seminarleiterleben ist ja doch ein verantwortungsvolles, bei dem man sowohl die Lebenschancen einzelner Referendare als auch das Wohl der Schüler auf lange Sicht im Auge haben muss – eine Aufgabe, die ich mir als sehr schwer vorstelle.

    Viel Erfolg und viel Spaß mit Deinen Referendaren!

  2. 2 Hanjo Donnerstag,25 September, 2008 um 5:33

    Dann möchte ich doch gleich die AG der Studienleiter des Germanistenverbandes empfehlen, die meine frühere Studienleiterin (entspricht dem Seminarlehrer) aus der Taufe gehoben hat: http://www.germanistenverband.de/schule/sql2pat.application/application.php?action=show&object=themen&id=187

    Viel Erfolg bei der neuen Aufgabe!

  3. 3 markusmaerkl Freitag,26 September, 2008 um 13:09

    Danke euch! Es kommt zu den vier Ebenen des Unterrichtens (Sache-Methode-Planung-Schüler) tatsächlich noch mindestens eine weitere hinzu – eben die Referendarsbetreuung. Was du ansprichst, Hokey, ist tatsächlich ein Dilemma, dem man sich stellen muss, wenn nicht ständig lauwarm kochen will…
    Danke für den Tipp mit der AG – ich habe versucht für die neuen bayr. Seminarlehrer einen Kurs in Moodle einzurichten, in dem wir uns vernetzen. Es läuft schleppend an, aber wir sind mittlerweile ein Dutzend. Es wäre schön, wenn alle kontinuierlich weiterarbeiten an der Wissensteilung. Auch über die Bundeslandgrenzen hinaus – das ist doch ein wirklich interessanter Ansatz auch des Germanistenverbandes.


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