Die Gewissensfrage

Ich weiß gar nicht, ob es eine ist – dann wäre es eventuell auch ein Fall für Herrn Erlinger in der SZ. Vielleicht hat die Frage schon mal jemand an ihn auch gestellt. Aber ein Jahr nach einem Eintrag in diesem Blog dazu holt das Thema mich wieder ein.

Kürzlich habe ich eine E-Session zum Thema Cybermobbing moderiert für die ALP Dillingen. Die Zuhörer waren sehr interessiert, die Referentin sehr gut vorbereitet. Ich habe die Sitzung mit dem Eindruck geschlossen, dass Cybermobbing an jeder Schule ein Riesen-Thema ist mit teilweise unglaublichen Geschichten. Es betrifft natürlich alle Ebenen: Schüler gegen Schüler, Schüler gegen Lehrer, Lehrer hetzen Schüler auf gegen Kollegen, Kollegen gegen Chef usw…

Ein paar Tage später war ein Referent an der Schule (Klicksalat), eine Art medienpädagogisches Aufklärungsseminar für Schüler, Lehrer (Nachmittag) und Eltern (Abend). Bereits in den 5. Klassen war es schon unheimlich zu erleben, wie die Schüler zugaben, was man leise ahnte. Praktisch alle spielen, eine ganze Reihe bis zu 4 Stunden/Tag. 1 Stunde Computerzeit/Tag würden viele als Strafe sehen. Und dann natürlich die geballte Naivität der Schüler, wenn es um Netzwerke geht und wie man sich darin verhält. Am Nachmittag hat sich dann herausgestellt, dass es in einem der Netzwerke auch eine 11. Klasse gibt. Eingerichtet vom Konrektor, quasi als stille Mahnung oder um zu zeigen, dass man den Fuß drin hat.

So drängt sich mir wieder die Frage auf : Bin ich als Klassenlehrer vielleicht sogar verpflichtet hier mal in die Netzwelten der Schüler-Communities reinzuschauen? Eventuell um mögliche Straftaten zu dokumentieren? Um meiner Erziehungsaufgabe auch nachzukommen und Dinge zu thematisieren? Oder auch – das soll ja auch vorkommen – die Schüler zu ermuntern und die eine oder andere Frage zu klären?

Ist das Spionage oder Erziehungsarbeit oder wird man damit zum  neurotischen Moralapostel? Ist gut gemeint das Gegenteil von gut (Brecht)? Hat Moral nicht die Funktion, das gute Leben der Einzelnen zu fördern und es nicht mehr als nötig zu stören (Frankena)?

Also die Antwort von SchülerCC ist klar: Das ist Schnüffelei, die Schüler sollen unter sich sein und reden nun mal anders. Aber wenn ich Eltern und Schüler sehe, die in diesem Bereich gehetzt werden, muss ich reagieren.

Aber darf ich mich dort einschleichen und solche Diskussionen verfolgen? Das ist die Gewissenfrage…

Ach ja, wers noch nicht kennt: Die GEW-Studie zum Thema Cybermobbing

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2 Responses to “Die Gewissensfrage”


  1. 1 Hokey Donnerstag,14 Mai, 2009 um 14:48

    Doch wie soll man das im Auge haben? Wie soll ich ICQ, MSN und Twitter „kontrollieren“? Soll ich denen dann auch auf den Fußballplatz hinterherstiefeln, wo sie den doofen XY nicht mitspielen lassen und in die Mülltonne stecken?

    Nö, echt. Nö. Ich bin keine 24Stunden-rund-um-die-Uhr-Betreuung.

  2. 2 markusmaerkl Donnerstag,14 Mai, 2009 um 18:40

    Da hast du sicher Recht, aber es heißt ja nicht Fulltime-Bereitschaft. Außerdem tummelt sich SekI an den einschlägigen Web-Plätzen (So war ein Lehrerbewertungsportal vor meine Erörterungsstunde den Schülern (echt) nicht bekannt) – das lässt sich da noch besser eingrenzen.
    Ich habe ja auch starke Bedenken – aber wenn viele Eltern eben nichts mitkriegen: Ist man da als Klassenlehrer nicht in der Pflicht, wenn die Klasse im virtuellen Bereich sich verselbständigt und Dinge laufen, die auch die Präsenz in der Schule beeinflussen? Ganz zu schweigen davon, wenn ein Lehrer betroffen ist…


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