Archive for the 'Lehrer' Category

Virenchecker

Nach einer Woche Schullandheim, das thematisch sehr schön war (internationales Begegnungsprojekt), haben wir viel über die andere Nation gelernt und nebenbei auch noch Schweinegippe-Viren ausgetauscht.

Die Schüler, die ich in den ersten Tagen erkrankt heimgeschickt habe, gaben zwar umgehend telefonisch Bescheid, aber trotzdem fuhren wir dezimiert und hustend nach Hause. Seltsam, dass das Haus die Angelegenheit nicht öffentlich bekannt macht – naja dann habe ich den Putzfrauen vorher schon gesagt, in welchem Zimmer die kranken Schüler waren. Die Schüler sollten in jedem Fall alle zum Arzt und mir per Mahara- Forum und der Schule am Montag dann  telefonisch mitteilen, ob sie erkrankt sind. Bis das Gesundheitsamt die Fälle an die Schule meldet, dauert mir das zu lange.

Interessant der neue Pädagogentyp „Cooler Virenchecker“ : Man wird von ihm gleich als Panikmacher hingestellt, nur weil man die Schüler isoliert (bei den ersten Anzeichen) und fordert, die Erkrankung bekannt zu machen (wenn sie nachgewiesen ist). Jeder unmittelbar Betroffene hat ein Recht  zu wissen, dass es Fälle gibt/gab. Nur so kann ich mich schützen, es hängen ja auch meist Familien dran.

Die Neue Grippe verläuft  in den meisten Fällen wohl harmloser als befürchtet. Ich bin übrigens nicht an Schweinegrippe erkrankt, sondern einfach heftig erkältet. Und nein, ich nutze nicht Moodle oder Mahara oder sonstwas, um den Unterricht mit den Schülern am Laufen zu halten. Der Arzt hat Ruhe verordnet.

Gute Besserung!

Die Gewissensfrage

Ich weiß gar nicht, ob es eine ist – dann wäre es eventuell auch ein Fall für Herrn Erlinger in der SZ. Vielleicht hat die Frage schon mal jemand an ihn auch gestellt. Aber ein Jahr nach einem Eintrag in diesem Blog dazu holt das Thema mich wieder ein.

Kürzlich habe ich eine E-Session zum Thema Cybermobbing moderiert für die ALP Dillingen. Die Zuhörer waren sehr interessiert, die Referentin sehr gut vorbereitet. Ich habe die Sitzung mit dem Eindruck geschlossen, dass Cybermobbing an jeder Schule ein Riesen-Thema ist mit teilweise unglaublichen Geschichten. Es betrifft natürlich alle Ebenen: Schüler gegen Schüler, Schüler gegen Lehrer, Lehrer hetzen Schüler auf gegen Kollegen, Kollegen gegen Chef usw…

Ein paar Tage später war ein Referent an der Schule (Klicksalat), eine Art medienpädagogisches Aufklärungsseminar für Schüler, Lehrer (Nachmittag) und Eltern (Abend). Bereits in den 5. Klassen war es schon unheimlich zu erleben, wie die Schüler zugaben, was man leise ahnte. Praktisch alle spielen, eine ganze Reihe bis zu 4 Stunden/Tag. 1 Stunde Computerzeit/Tag würden viele als Strafe sehen. Und dann natürlich die geballte Naivität der Schüler, wenn es um Netzwerke geht und wie man sich darin verhält. Am Nachmittag hat sich dann herausgestellt, dass es in einem der Netzwerke auch eine 11. Klasse gibt. Eingerichtet vom Konrektor, quasi als stille Mahnung oder um zu zeigen, dass man den Fuß drin hat.

So drängt sich mir wieder die Frage auf : Bin ich als Klassenlehrer vielleicht sogar verpflichtet hier mal in die Netzwelten der Schüler-Communities reinzuschauen? Eventuell um mögliche Straftaten zu dokumentieren? Um meiner Erziehungsaufgabe auch nachzukommen und Dinge zu thematisieren? Oder auch – das soll ja auch vorkommen – die Schüler zu ermuntern und die eine oder andere Frage zu klären?

Ist das Spionage oder Erziehungsarbeit oder wird man damit zum  neurotischen Moralapostel? Ist gut gemeint das Gegenteil von gut (Brecht)? Hat Moral nicht die Funktion, das gute Leben der Einzelnen zu fördern und es nicht mehr als nötig zu stören (Frankena)?

Also die Antwort von SchülerCC ist klar: Das ist Schnüffelei, die Schüler sollen unter sich sein und reden nun mal anders. Aber wenn ich Eltern und Schüler sehe, die in diesem Bereich gehetzt werden, muss ich reagieren.

Aber darf ich mich dort einschleichen und solche Diskussionen verfolgen? Das ist die Gewissenfrage…

Ach ja, wers noch nicht kennt: Die GEW-Studie zum Thema Cybermobbing

Pädagogischer Realismus

Jüngst brach diese neue Epoche in der Ausbildung an. Ab dem Zeitpunkt, ab dem Referendare eigenverantwortlich Unterricht übernehmen.

Interessant ist, wie präzise die Referendare jetzt Methoden und deren Schwachstellen analysieren. Erschreckend aber auch der Pessismismus (oder soll ich sagen: Pädagogischer Realsimus)  für mich: Offenere Lernformen können in diesem Schulsystem nicht funktionieren.

Naja, ich hab mal Advocatus diaboli gespielt. In der Diskussion ergaben sich einige Punkte:

  • Die trad. Rahmenbedingungen des Schulsystems erschweren den Einsatz offener Unterrichtsformen (Lernzirkel – eine Referendarin hat keine besonders guten Erfahrungen kürzlich damit gemacht).
  • Jüngsten Studien (Ich kenne die leider nicht) zufolge soll Frontalunterricht die effektivste Unterrichtsmethode sein (Warum sind dann in manchen Jahrgangsstufen 75% der Schüler gefährdet oder sehr gefährdet? Also, Freiarbeit wird dort bestimmt nicht praktiziert…)
  • Bitte kein Ausspielen der Methoden gegeneinander: Jede hat ihren Sinn. Und jede Monokultur ist anfällig für Schädlinge.
  • Wenn einer den Inhalt nicht kapiert hat, nutzt auch die schönste Freiarbeit nix. Eine gewisses Maß an Einführung und Systematik vorher hilft, die Übungsphase in offeneren Formen erfolgreich zu gestalten.
  • Wer Begeisterung der Schüler erwartet, mal etwas puzzlen, kleben, drehen, mit dem Partner aufschreiben und Dosendiktateln zu dürfen, ist einfach naiv. Vielleicht in den unteren Klassen – und das macht ja auch großen Spaß. Trotzdem ist es Teil des Unterrichts mit den bekannten Regeln.
  • Man kann auch diese Phasen bewerten und beurteilen – Thorsten Bohl hat ja hier einiges an Überlegungen bereits vor Jahren vorgelegt. Und das mit neuen Studien unterlegt, was Freinet oder Parkhurst (Daltonschulen) vor Jahrzehnten schon praktiziert haben. Wie soll ich als Lehrer Zeugnisbemerkungen zu Arbeits- und Sozialverhalten machen, wenn ich solche Arbeitsformen nicht ausprobiere und dann auch beobachte.
  • Es braucht ein großes Maß an Selbstdisziplin, diese Beobachtungen  kontinuierlich zu machen (Asche auf mein Haupt).
  • Es braucht aber auch Schüler, denen man diese Übungen zutrauen kann und sich in eigenverantwortlichen Phasen wieder am Riemen reißen: zurück zur Arbeit. Auch dies muss errungen werden mit der Klasse, es ist eben auch ein Lernprozess. Nur wenn ich den als Lehrer nicht wage, sollte ich bitte auch nicht mitjammern, dass kein Schüler zu eigenständigen Arbeiten in Lage ist, man jede Kleinigkeit selber machen darf und überhaupt: „Wahsinn, was heute alles in den Unis sitzt…“.

Letztlich stehen nach solchen Diskussionen immer mehr Fragezeichen als beantwortete Fragen. Wer eine Patentlösung hat, bitte melden. Bis dahin basteln wir in den kommenden Wochen immer wieder mal im Seminar…

Protokoll Seminarlehrer

Die Referendare haben jetzt ein Drittel des ersten Jahres fast rum, ich mein erstes Drittel als neuer Seminarlehrer im ersten Jahr. Wir fangen als praktisch gemeinsam neu an…

Ich finde es erfreulich, wie man die jungen Kollegen wachsen sieht und Sie ihre Lehrerrolle ausfüllen, mit den Klassen „ringen“ und  auch gewinnen: an Autorität, Herstellen von Arbeitsdisziplin und Sicherheit bei Stundenkonzeptionen. Jaja das Lehrerecho, Tafelanschrieb, Projektorfolien bitte schön groß – diese Fehlerchen sind auch da, aber sollte das wirklich die zentrale Rolle einnehmen bei Stundennachbesprechungen?  Hier nutze ich übrigens auch Skype, das entzerrt den Vormittag für alle Beteiligten und man entspannt am Nachmittag die Dinge reflektieren kann.

Was mich manchmal betrübt, man sollte natürlich mehr demonstrieren und Showstunden zeigen: Ich versuche zwar schon verschiedene Themen mit verschiedenen Methoden abzudecken (Gruppenpuzzle als Wiederholung Literaturgeschichte, Gedichtanalyse mit Gruppenarbeit und kreativen Aufträgen, neue Schreibformen ausprobieren,  Aufsatzunterricht mit dem digitalen Klassenzimmer, Grammatik spielerisch), aber das ist doch nur ein Teil der Realität:

Im Vordergrund steht das Ackern, Wiederholen, Üben in allen Bereichen des DU. Diese Alltagsstunden bringen vielleicht auch den Schülern mehr, für die Refis soll es entlastend sein auch mal gut durchdachten Alltag zu machen. Refis sollten nicht Teil dieser gedopten Leistungsgesellschaft sein und das Gefühl haben, immer Mr.Magic zu sein: Allzeit bereit für den ultimativen Methodenkick. Nein, Danke.

Nach den Ferien stehen dann die Lehrproben an – wahrscheinlich bin ich genauso aufgeregt wie die Referendare. Und man erinnert sich einfach zu gut an die eigenen Gehversuche und das Drama vor der ersten Lehrprobe, auch wenn es jetzt 12 Jahre her ist. Wie wahr doch der Spruch: Lehren heißt doppelt lernen….

Die Angst des Lehrers vor…

Damit hat sich die junge Psychologie-Diplomandin Susanne Meißner (Uni Regensburg) auseinandergesetzt, die an verschiedenen Schulen im vergangenen Jahr eine Untersuchung zu Lehrerängsten durchgeführt hat. Anscheinend war es nicht ganz einfach, immer Gehör und Eingang in die Konferenzen zu finden. Auf jeden Fall hat sie mir vor einigen Tagen eine Zusammenfassung ihrer Diplomarbeit geschickt, die man hier nachlesen kann: zusammenfassung-lehrerangste

Insgesamt geht es viel um Theorien und Entstehungshintergründe zur Angst, auch um verschiedene Lehrertypen und ihre Strategien mit Angst im Berufsalltag fertig zu werden: „Raether (1982) merkt an, dass (…) nur solche Lehrer angstfrei sind, die unkritisch sind und sich bzw. ihr Handeln nicht in Frage stellen.“

Der Bereich Schüler ist dabei nicht so entscheidend, da 97% der Leher angaben, der Umgang mit Schülern mache Spaß. An jeder zehnten Schule  gebe es Mobbing unter Kollegen, fast 30% halten die gegenseitige Unterstützung im Kollegium für unbefriedigend.

Insgesamt kommt Frau Meißners Erhebung zu dem Schluss, dass Lehrer zu „sozialintegrativem Verhalten neigen. Aggressionen treten selten auf und ängstliches Verhalten kaum. Die These von Jehle und Krause (1994), dass Angst eher ein seltenes, wenn auch ein bedeutendes Problem darstellt, wird durch die vorliegende Studie unterstützt. Jedoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Ergebnis aufgrund von Tabuisierung und Tendenz zur sozialen Erwünschtheit verzerrt ist.

eSessions machen Schule

Vor etwa zwei Jahren habe ich eine Ausbildung als Teletutor gemacht. Wir lernten dabei mit dem Programm Breeze (heute: Adobe Connect Pro) umzugehen sowie Grundtechniken der Moderation und des professionellen Präsentierens.

Trotz des neuen Namens „Connect“ ist das Programm  nach wie vor dasselbe: Ein virtuelles Konferenztool, bei dem ein oder mehrere Moderatoren Inhalte präsentieren können und mit E-Tivities wie Whiteboard, Abstimmung, Chats usw. auch  Interaktionen unter den Teilnehmern anleiten können. Bedient wird es über den Browser, eingeladen per URL. Leider sind Initiativen damit systematisch etwas anzufangen bislang nicht so recht in die Gänge gekommen, aber jetzt scheint sich was zu bewegen.

In sogenannten eSessions bietet die ALP Dillingen Fortbildung zu bestimmten Themen mittels des Systems an. Die ersten sind schon ausgebucht, es hört sich vielversprechend an, was sich hier tut. Ich habe gestern vor Multiplikatoren (Mibs) eine Einführung gemacht in und über Connect gemacht- ein Technikcheck am Abend vorher hat ein Desaster während der Session verhindert. Als Trainer muss man nicht ewig rumreisen, sondern schnappt sich die Kaffetasse, wirft die Mühle an, Headset rum und los gehts. Die Präsentation unseres Abteilungsleiters Johannes Böttcher habe ich etwas umgearbeitet, man kann sie hier (teletutoring-mit-adobec2aeconnect-pro) anschauen.

Mehr Infos zu den eSessions kann man hier erhalten.

Die jungen Kolleginnen

Es klingt etwas blöd, aber so stelle ich die Referendarinnen immer vor Eltern oder Schülern vor. Also sie sind ja noch in der Ausbildung, auf der anderen Seite möchte ich sie nicht abwerten mit evtl. doppeldeutigen Titeln…soll ja alles schon vorgekommen sein.

Die Eltern waren beim Elternabend schon verunsichert, ob der häufige Wechsel und die Unerfahrenheit nicht ihre Kinder benachteiligt. Ich habe versucht, dies mit den bekannten Argumenten zu entkräften, vor allem aber, dass durch „die jungen Kolleginnen“ viel weniger Unterricht ausfällt. Er ist auch besser vorbereitet und nicht aus Arbeitsroutinen heraus entstanden (Nicht missverstehen, bitte). Ferner habe ich ja letztlich die Verantwortung, also geht keine Ex oder Schulaufgabe oder Arbeitsblatt raus, ohne dass ich vorher gesehen habe. Vorausgesetzt, der Referendar hält sich dran (meist so bei Arbeitsblättern, tödlich aber bei schriftl. Tests).

So sitze ich jetzt und korrigiere die Schularbeiten der Refis nach, bevor wir diese am Montag herausgeben. Nützlich ist dabei „wie immer“ Moodle – wir tauschen die Aufsatzbemerkungen über das Forum aus, eine Excel reichen wir rum und füllen Zelle für Zelle die Teilnoten aus. So habe ich auch immer schön geordnet nach Antwortthread den Überblick, wer was getan/korrigiert/bewertet hat. Aber – am Ende steht wie immer der Rotstift, traditionell.


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